Lustreise des #LVR Sozialausschuss

Alles Käse, oder was?!

Vom 01.03.23 – 03.03.23 machte sich der Sozialausschuss des LVR auf, um sich bei unseren „flachen“ Nachbarn über die Sozialgesetzgebung , insbesondere für Menschen mit Behinderung und/oder Pflegebedarf, sowie die Finanzierung der einzelnen Leistungen zu informieren.

Wir starteten in Arnheim bei der Organisation Siza. Der Vortrag über die Geschichte, die Entwicklung und Schwerpunkte von Siza sollten eigentlich simultan durch einen Dolmetscher übersetzt werden. Leider scheiterte dies am Nichterscheinen desselben. Er fuhr zunächst zur falschen Adresse und stand dann noch im Stau. Aber zum Glück war der CEO von Siza ein wenig der deutschen Sprache mächtig und wir hatten auch 2 niederländische Sprachwunder bei uns in der Gruppe. Somit konnte der Vortrag einigermaßen verständlich vorgetragen werden.

Siza beschreibt einen Wandel im führenden Leitgedanken der Pflege. Von früher ( am besten isoliert wegsperren ) zu heute ( so lange wie möglich in den eigenen 4 Wänden in der Gesellschaft integriert lassen ).

Bei Siza wird vor allem der Gedanke „Hilfe zur Selbsthilfe“ gelebt. Man versucht, den Patienten so lange wie möglich fit zu halten, sich weitestgehend mit Unterstützung der Gemeinschaft zu versorgen.

Dazu durften wir die Wohngemeinschaft Elderburen besichtigen. Dies ist ein sozialer Wohnungsbau, der darauf abzielt, Menschen mit und ohne Pflegebedarf in einer Community zu verbinden. Diese Community soll sich gegenseitig helfen und unterstützen. Dies kann der wöchentliche Einkauf oder einfach nur ein geselliger Zeitvertreib bei einem Kartenspiel sein. Bei allen Problemen, die die Community nicht lösen kann, steht ein Mitarbeiter von Siza zur Verfügung.

Auch für bedürftige Kinder hat Siza gesorgt. In „Siza Speelstoet“ werden gespendete Spielzeuge von behinderten Menschen auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft. Anschließend werden diese in einem Shop angeboten. Bedürftige Kinder können sich mit einer Bescheinigung der Stadt bis zu 7 Spielsachen aussuchen und kostenlos mitnehmen.

Für Menschen  mit erhöhtem Pflegebedarf wurde in den 70ern das Dorf „Het Dorp“ gebaut.  Auf diese alten Gebäude ist Siza nicht sehr stolz, da sie den alten Zeitgeist widerspiegeln, wo man die Menschen isoliert halten wollte. Die Bauweise erinnert auch eher an eine alte Anstalt aus einem Horrorfilm. Niedrige Decken, kleine Zimmern mit schweren Türen, in denen ein Bullauge zum hereinschauen eingefasst ist.

In dem Dorf hat man aber bereits ein neues, modernes Gebäude gebaut. Dieses ist mit moderner Technik ausgestattet, die die Pflege erleichtern soll. Die Zimmer sind groß und hell, mit eigener Küchenzeile und Schienenverzweigungen an der Decke, um überall eine Unterstützung zum heben und stützen heranfahren zu lassen.

Die Patienten können im Tonstudio ihre eigene Musik kreieren oder vor der green screen kleine Filme drehen. In der Nähstube fertigen einige Patienten Puppen für die Kinder in den umliegenden Krankenhäusern.

Im Ministerium für Gesundtheit, Gemeinwohl und Sport in Den Haag wurden wir ausführlich über die niederländische Sozialgesetzgebung informiert. Es gibt keine landesweite Regelung wie viel eine Kommune in die Pflege finanzieren muss. Jede Kommune entscheidet selbst darüber. Stellt ein Bürger einen Antrag bei der Kommune wird dieser zu einem sogenannten „Küchentischgespräch“ eingeladen. Bei diesem Gespräch sollen die Bedarfe und mögliche Hilfestellungen erfasst werden. Der Mensch soll immer im Mittelpunkt stehen. Deswegen gibt es auch keine Deckelung für etwaige Sozialleistungen. Jeder soll bekommen was er wirklich braucht.

Bei der Finanzierung wollte sich das Ministerium nicht so recht in die Karten schauen lassen. Angeblich würden sie da selbst nicht so recht durchblicken 😉

Über den gehaltsunabhängigen Pflegebeitrag von 19 Uhr allein , wird dieses Projekt sicherlich nicht finanziert. Aber sei es drum. Wir könnten diese Form von Pflege bei uns in Deutschland eh nicht umsetzen, was wir am Beispiel von „Buurtzorg“ in Münster sehen konnten. Ein erfolgreiches niederländisches Unternehmen, dass das niederländische Pflegesystem bei uns etablieren wollte. Die Zweigstelle in Deutschland befindet sich aktuell noch in der Insolvenz. Gründe dafür wurden den Krankenkassen zugedacht. Man konnte viele Dienstleistungen am Patienten entweder gar nicht oder nur unzureichend abrechnen. Auch die Firmenstruktur ohne jegliche Hierarchie brachte einige Probleme mit sich. Das Unternehmen musste einige Anpassungen an unser System vornehmen und ist zuversichtlich Ende 03/2023 aus dem Insolvenzverfahren aussteigen zu können. Doch wird es weiterhin ein Drahtseilakt werden, den doch sehr freien Philosophiegedanken der Pflege der Niederländer mit unserem sehr starren und strukturierten System der Krankenkassenabrechnung zu vereinen.

Fazit: Wir könnten uns was von den Nachbarn abgucken, wenn wir nicht so sehr in unseren eigenen Strukturen und Verordnungen gefangen wären.

Ein Bericht zur Informationsreise des Sozialausschusses des LVR in die Niederlande von Nicole Lukat ( sachkundige Bürgerin im Sozialausschuss  und so )

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